Nach VAR-Entscheidung: SCP schockt Werder ganz spät

Werder unterliegt Paderborn mit 0:1
Mehr als unglücklich: Werder ist überlegend, verliert aber ganz spät (Foto: nordphoto).
Spielbericht
Sonntag, 08.12.2019 / 20:05 Uhr

Wie bitter ist das denn? Der SV Werder musste sich am 14. Bundesliga-Spieltag in der Nachspielzeit geschlagen geben und verlor gegen den SC Paderborn ganz bitter mit 0:1. Sven Michel (90.+3) hatte nach Entscheidung des Videobeweises den regulären Siegtreffer erzielt. Doch zuvor sahen die 39.870 Zuschauer im wohninvest WESERSTADION eine komplett ausgeglichene erste Hälfte - mit viel Kampf, viel Arbeit, aber wenig Ertrag. Der SV Werder tat sich schwer, gegen robuste Paderborner die Lücken im Offensivspiel zu finden. Auf der Gegenseite mussten die Grün-Weißen immer wieder höllisch auf die extrem schnellen Konter der Gäste aufpassen. Weil beide Teams aber die nötige Präzision vermissen ließen, ging es torlos in die Halbzeitpause. Deutlich zielstrebiger und entschlossener kamen die Werderaner anschließend aus der Kabine. Obwohl die Grün-Weißen die deutlich überlegenere Mannschaft waren, standen sie am Ende mehr als unglücklich mit leeren Händen da.

Aufstellung und Formation: Der Kapitän ist wieder an Bord. Verletzungsbedingt fehlte Niklas Moisander dem SV Werder in der Innenverteidigung mehrere Monate, gegen den SC Paderborn feierte er sein Comeback in der Werder-Startelf. Zusammen mit Milos Veljkovic bildete der Finne die Abwehrzentrale der Grün-Weißen. Für ihn rotierte Christian Groß aus der Anfangsformation. Es blieb der einzige Wechsel, den Cheftrainer Florian Kohfeldt im Vergleich zum 3:2-Auswärtssieg beim VfL Wolfsburg vornahm. Taktisch agierten die Grün-Weißen im gewohnten sowie variablen 4-3-3-System.

Die Werder-Startelf: Pavlenka - Augustinsson, Moisander, Veljkovic, Gebre Selassie - Bargfrede, M. Eggestein, Klaassen - Rashica, Osako, Bittencourt.

Es hielten sich bereit: Kapino - Lang, Pizarro, Langkamp, Sahin, J. Eggestein, Friedl, Groß, Goller.

Intensiv, aber nicht uninteressant

Noch kein Durchkommen: Paderborn verlangt dem SVW alles ab (Foto: nordphoto).

Die Höhepunkte des ersten Durchgangs:

8. Minute: Fäuste hoch. Nach einer ersten Abtastphase in den Anfangsminuten hat der SC Paderborn den ersten Abschluss. Antwi-Adjei prüft Jiri Pavlenka mit einem Schuss halblinks aus dem Strafraum des SV Werder - zu unplatziert. Die Nummer eins der Grün-Weißen reißt die Fäuste hoch und pariert.

14. Minute: Werder spielt mit, endlich. Eine knappe Viertelstunde hat es gedauert, bis die Grün-Weißen endlich vor das Tor der Gäste kommen - und das gleich per Doppelchance. Erst hämmert Leonardo Bittencourt den Ball auf den Kasten. SCP-Keeper Zingerle lässt nach vorne klatschen, Davy Klaassen bekommt den Nachschuss. Doch der überraschte Werderaner schießt den Ball direkt in die Arme des Paderborners.

25. Minute: Er hat’s auf dem Fuß. Fast hätte sich Maximilian Eggestein an seinem Geburtstag selbst beschenkt. Nach schöner Vorarbeit von Yuya Osako tunnelt der 23-Jährige seinen Gegenspieler, legt sich somit die Kugel auf den rechten Fuß und zieht ab. Doch leider rutscht ihm der Ball über den Schlappen und die Chance verpufft. Schade, Maxi!

29. Minute: Nummer eins. Jiri Pavlenka ist wach, muss sich aber mächtig strecken und all seine 196 Zentimeter Körperlänge nutzen. Vasiliadis knallt einen gewaltigen Distanzschuss auf den Werderaner Kasten. Doch Pavelnka zeigt, warum er die Nummer eins auf dem Rücken trägt und pariert - stark. Und sofort steht er wieder im Fokus: Die anschließende Ecke bringt Gjasula aufs Tor. Pavlenka taucht ab und kratzt den Ball vor der Linie - doppelt stark.

45.+1 Minute: Pause am Osterdeich. Beide Mannschaften gehen torlos in die Kabinen.

VAR verpasst Werder den Knock-Out

Stabilisator der Werder-Defensive: Niklas Moisander (Foto: nordphoto)

Die Höhepunkte des zweiten Durchgangs:

55. Minute: Auf geht’s. Der SV Werder ist gewillt und kommt hier deutlich entschlossener sowie zielstrebiger aus der Pause. Doch die wirklich nennenswerten und gefährlichen Torchancen bleiben bislang (noch) aus.

64. Minute: Einfach mal fackeln. Maxi Eggestein fasst sich aus der Distanz ein Herz und haut den Ball mit dem linken Fuß auf den Kasten der Gäste. Zingerle reißt die Arme hoch und wehrt den Ball zur Ecke. Die Führung der Grün-Weißen liegt in der Luft.

85. Minute: Das Netz wackelt. Doch leider nicht, weil der Ball im Tor einschlägt. Der Reihenfolge nach: Der SV Werder kontert im eigenen Stadion mit Milot Rashica, der die Kugel rüber auf Leo Bittencourt legt. Doch die Nummer zehn des SVW wartet einen Tick zu lang mit dem Abschluss und trifft nur das Außennetz.

90. Minute: Tor oder kein Tor? Der SC Paderborn hat noch einmal die Möglichkeit und trifft durch Sven Michel. Doch der Treffer wird überprüft...

90.+3 Minute: Der Treffer zählt. Der SC Paderborn geht durch das Tor von Sven Michel in der Nachspielzeit in Führung. Ein Distanzschuss der Ostwestfalen landete bei Mamba, der vermeintlich im Abseits stand, und den Ball rüber auf den Torschützen legte. Schiedsrichter Sascha Stegemann gab das Tor zunächst nicht. Doch nach Ansicht der Videobilder hob Gebre Selassie das Abseits auf - mit bloßem Auge nicht zu erkennen. Ganz bitter.

90.+7 Minute: Schlusspfiff am Osterdeich. Der Endstand zwischen dem SV Werder und dem SC Paderborn: 0:1.

Fazit: Ganz ganz bitter. In keiner glanzvollen, aber auch nicht uninteressanten Partie musste sich der SV Werder spät und mehr als unglücklich geschlagen geben. Der SC Paderborn verlangte dem SV Werder zuvor alles ab. Die Grün-Weißen hatten dadurch gerade in einem intensiven ersten Durchgang Probleme, in gefährliche Offensivaktionen zu kommen. Im letzten Drittel fehlte den Hausherren die nötige Durchschlagskraft. Kamen die Gäste dagegen in schnelle Umschaltaktionen, wurde es durch ihre enorme Geschwindigkeit stets gefährlich - auch wenn sich der SVW auf einen starken Jiri Pavlenka verlassen konnte. Werder kam danach mutiger und zielstrebiger aus der Kabine, musste aber geduldig bleiben. Der SCP stand tief, der SVW war die deutlich spielbestimmende Mannschaft. Trotz großem Übergewicht gelang es jedoch nicht, den Ball im gegnerische Gehäuse unterzubringen. Stattdessen erzielten die Gäste mit ihrer einzigen Torchance im zweiten Durchgang den äußerst glücklichen, aber entscheidenen Siegtreffer.